2 Familien, 11 Personen – oder fast ein Dutzend. Diese Anzahl von Personen in eine Stadt wie Prag zu bekommen, ist schon eine Herausforderung. Ein Datum zu finden, an dem jeder Zeit hat, fast unmöglich. Aber eben nur fast!

Mit dem Fernbus von Nürnberg nach Prag

Also haben wir uns das letzte Wochenende im Juli rausgesucht und einen Flixbus für eben dieses Wochenende gebucht. Ein Hotel war auch schnell gefunden – also machte ich mich an die Arbeit und suchte die Sehenswürdigkeiten Prags heraus.

Dann war es soweit. Der Wecker klingelte Samstag früh um 2 Uhr. Abgesehen davon, dass es eh schon so früh war, hatte der Bus auch noch Verspätung. Die SMS dazu kam natürlich erst, als wir mit gepackten Taschen in der Haustür standen und los wollten. Also nochmal den Fernseher angeworfen und für eine weitere Stunde ins Bettchen gekuschelt.

Völlig übermüdet sind wir dann endlich um 5:20 Uhr – mit 1 ½ Stunden Verspätung – vom Nürnberger Busbahnhof nach Prag losgefahren.

Um 9 Uhr am Busbahnhof Prag Florenc angekommen, hebten wir dort direkt unsere ersten 5000 Kronen ab. Im Nachhinein hätte man wohl anderswo einen besseren Wechselkurs gehabt. In der Hektik vergisst man das leider manchmal: An solchen “Touri-Spots” sind die Gebühren oft wesentlich höher als irgendwo in der Stadt. Notiert für die nächste Reise – aber eigentlich sollten wir das eh besser wissen…

Auch in Prag die wichtigste Mahlzeit: Das Frühstück

Seis drum. Mit der U-Bahn, die ihrem Namen alle ehre machte (ich glaube, ich bin noch nie SO tief mit einer Rolltreppe ins Erdinnere gefahren), fuhren wir bis zur Haltestelle Národní třída. Die Station, die am nähsten am Cafe Louvre liegt. Wer den Tag mit dem perfekten Frühstück beginnen möchte, tut das am besten dort. Das Frühstück war lecker, reichhaltig und preislich in Ordnung. Noch dazu gehört das Cafe Louvre zu einem der schönsten und ältesten Kaffeehäusern in Prag. Seit 1902 wird hier Kaffee und Frühstück serviert.

Alle waren Satt – weiter ging’s Richtung Hotel. Im Hotel Roma Prag, das durch die perfekte Lage und gutem Preis bestechen konnte, checkten wir dann ein und machten uns kurz frisch. Fünf unserer sechs Zimmer waren schon um 11 Uhr bezugsfertig, was uns das Leben natürlich sehr erleichterte. Nach einer langen Busfahrt und kurzen Nacht möchte man sich zumindest kurz in Ruhe die Zähne putzen und ein frisches T-Shirt anziehen. Dann gings los, Prag wartet.

Die goldene Stadt wartet. Guten Morgen Prag!

Am Flussufer entlang, überquerten wir das erste Highlight unserer Tour: Die Karlsbrücke (tschechisch Karlův most). Im August leider viel zu überlaufen, kommt trotzdem schnell das Flair dieser schönen Brücke zum Vorschein. Die Künstler, die alle 5 Meter ihre eigene Kunst und allerlei Krimskrams anbieten, machen das Bild perfekt. Die Karlsbrücke ist eine aus dem 14. Jahrhundert stammende Steinbrücke, die die Prager Altstadt mit dem Stadtteil „Kleinseite“ verbindet. Von ihr aus kann man direkt in die Altstadt laufen. Kleine Gässchen führen einen direkt ins Zentrum der Prager Altstadt.

Die Prager Altstadt

Hier gibt es jede Menge individuelle kleine Geschäfte und Cafes die den Prager Ring umranden – den Marktplatz Prags. Inmitten dessen befindet sich das Prager Rathaus mit seiner einzigartigen astronomischen Uhr aus dem Jahr 1410, die nicht nur ein nationales Kulturdenkmal darstellt, sondern auch als Meisterwerk der gotischen Wissenschaft und Technik gilt. Jede Menge Straßenkünstler und historische Gebäude prägen das Bild des Marktplatzes. Das Wetter hat an diesem Tag ebenfalls mitgespielt – so macht ein kleiner Städtetrip Spaß.

In einem der vielen Cafe’s, die sich aneinander reihen, machten wir dann nach unendlichen vielen Schritten endlich eine kleine Pause. In Prag wird fast überall gutes Englisch gesprochen. Im Idealfall werden auch ein paar Brocken Deutsch mit reingemischt. Probleme in Sachen Verständigung gibt es hier selten.

Eine kleine Stadtrundfahrt durch Prag

Die kleine Bimmelbahn, die am Marktplatzrand darauf wartet, gefüllt zu werden, nahmen wir dann direkt in Anspruch. Da wir 3 Generationen im Schlepptau hatten, war das eine perfekte Gelegenheit, viel zu sehen, ohne die Füße der ganzen Familie zu sehr zu maltretieren. Immerhin waren wir teilweise auch schon mehr als 24 Stunden wach. Für umgerechnet 10€ bekommt man einen kleinen Einblick von Prag. Die Nobelgassen, die Kleinseite bis auf die Spitze Prags, wo die Burg auf einen wartet. Der Kommentar in der kleinen Stadtrundfahrt ist deutsch, englisch und tschechisch.

Böhmisch-tschechisch Essen ist ein MUSS in Prag

Nachdem der Tag schon lang genug war und wir langsam aber sicher mit unseren Kräften am Ende waren, machten wir uns auf zu unserem Lokal. Wir haben vorab zu Hause reserviert, da wir einen Gruppe von 11 Personen waren und niemand Abends noch Lokal um Lokal nach einem entsprechend großen Tisch abklappern wollte.

Es ging ins Švejk Restaurant U Karla. Ich persönlich suche mir gern bei TripAdvisor die Hotels/Restaurants und Sehenswürdigkeiten heraus – und das Lokal stach vor Allem durch seine guten Bewertungen, gute Lage in der Nähe unseres Hotels und der einheimischen Küche heraus. Und wir wurden nicht enttäuscht! Der Abend wurde ein echtes kleines Erlebnis. Der Kellner sprach überraschend gut Deutsch und hat uns direkt einige Prager Spezialitäten empfohlen. 10 Minuten später füllte sich unser Tisch mit zwei Platten Rindertatar, das vor unseren Augen von ihm am Tisch angerichtet wurde, wie es sich gehört. Als Hauptgang gab es eine Altböhmische Bratpfanne für 4 – 5 Personen. Auf der fanden sich jeweils eine Ente, marinierte Schweinerippen, gebratene Schweinshaxe, gebratener Schweinekamm, Bratwürstchen, Weißkraut und Blaukraut, Semmelknödel, Kartoffelknödel und Speckknödel.

Auf Empfehlung des Kellners haben wir für 10 Personen 2 solcher Pfannen bestellt. Da wir alle völlig ausgehungert waren, war die Versuchung groß eine dritte Platte zu bestellen. War sie doch in der Karte für 4 Personen ausgeschrieben. Unser Kellner hat uns davon aber abgeraten – er war sich sicher, wir würden Satt werden. Recht sollte er behalten! In so einigen Lokalen hätte man uns wohl mit Genuss die dritte Platte serviert und die umgerechnet ca. 70 Euro kassiert. Insofern – Danke für die ehrliche Einschätzung des Kellners im U Karla! Für mich gab’s übrigens einen leckeren Salat mit Ziegenkäse und einen gebackenen Prager Käse. Auch ich wurde gut Satt.

Nach einigen Prager Bieren und einem Sliwowitz machen wir uns dann langsam durch die kleine, verträumte Altstadt auf nach Hause. Als Abschluss wollten wir noch einmal die Karlsbrücke in der abendlichen atmosphäre Prags ablichten. Gekrönt wurde das Ganze mit einem Feuerwerk. Perfekt für den ersten Tag in Prag.

Tag 2 in Tschechiens Hauptstadt

Um 9 Uhr trafen wir uns zu unserem interkontinentalen Frühstück, das absolut okay war und mit jedem Mittelklasse-Hotel mithalten konnte. Wir packten anschließend schon alles zusammen, um direkt weiter die Stadt erkunden zu können.
Nachdem wir die überaus leckere Eisdiele, direkt an unserem Hotel, noch einmal passiert hatten (absoluter Geheimtipp!), liefen wir Richtung John Lennon Wall. Eine kunterbunt bemalte Wand, inmitten der kleinen Straßen. Perfekt um noch ein paar tolle Bilder zu machen. Die Altstadtmauer wird seit den 1980er Jahren mit von John Lennon inspirierten Graffiti und Teilen von Beatles-Liedtexten bemalt und verändert ihr Aussehen quasi täglich. 1988 gab es wegen dieser Mauer sogar Zusammenstöße zwischen der Staatsmacht und jungen Pragern. Die Regierung wollte das Übermalen unterbinden, die Prager hielten dagegen. Das Gipfelte sogar in gewaltsamen Auseinandersetzungen auf der Karlsbrücke.

Das Wetter spielte an diesem Tag leider nicht mit. Konstanter Regen und grauer Himmel.

Nichts desto trotz machten wir uns zur nächst gelegenen Straßenbahnhaltestelle auf, um mit der Straßenbahn NR 22 direkt hoch zur Burg zu fahren. Diese Straßenbahnlinie eignet sich übrigens hervorragend für eine günstige Stadtrundfahrt, da sie nahezu alle Sehenswürdigkeiten anfährt.

Die Prager Burg

An der Burg angekommen, kauften wir uns ein Ticket für das ganze Areal. Für ca 10€ pro Person darf man eine große Runde laufen und alles genau erkunden. Der Eintritt in den Dom ist im Preis ebenso inbegriffen, wie der kurze Spaziergang durch das Goldene Gässchen, das wirklich sehenswert ist. Künstler, Goldschmiede und sogar Franz Kafka lebten hier in früheren Jahren. Kommt man aus dem Goldenen Gässchen heraus, findet man sich beim Lochgefängnis wieder, das ebenfalls besichtigt werden kann.
Abschließend krönt der Blick über Prag den Ausflug. Am Ende des Prager Burgareals ist ein Aussichtspunkt, von dem man ganz Prag überblicken kann. Ein perfekter Foto-Abschluss.

Der Hunger und das Heimweh packte uns so langsam. Viele Eindrücke gesammelt, machten wir uns durch die Kleinseite auf zurück ins Tal. Nach einem kleinen Zwischenstop in einem Lokal, liefen wir zurück zu unserem Hotel. Von dort aus ging es – da wir zeitlich nun etwas spät dran waren – mit 2 Taxen zum Busbahnhof zurück. Der Bus wartete schon und wir setzten uns erschöpft in die vordersten Reihen des großen Doppeldeckers und warteten darauf, wieder Richtung Heimat zu fahren. Nach ca. 4 Stunden fahrt waren wir zurück in der Heimat, in Nürnberg.

Zwei Tage in Prag – ein kleines Fazit

Prag du bist wunderschön. Für mich eine Mischung aus Wien und Amsterdam. Im Sommer ein wenig überlaufen aber das spricht wohl auch für dich. Unsere Partnerstadt ist immer eine Reise wert und offenbart insbesondere Nachts seine ganze Pracht und wird dem Namen “Goldene Stadt” absolut gerecht. Die Prager Burg in voller Beleuchtung von einer der Prager Brücken zu sehen, ist eine Augenweide. Das wird sicher nicht unser letzter Trip nach Prag gewesen sein.

Es ist übrigens wesentlich einfacher als man glaubt, mit 3 Generationen zu vereisen. Die Oma im Stechschritt immer mit vorne dabei, die Eltern und Geschwister mit vollstem Vertrauen in meine Planung und Olivers Orientierungssinn, gab es keine einzige Situation, in der die große Gruppe sich uneinig war oder jemand verloren ging. So ein Familienausflug, mit all seinen Lieben um sich herum, ist unbezahlbar und ein tolles Erlebnis. Macht man leider viel zu selten – aber wir werden versuchen, die Tradition so lange wie möglich fort zu führen!

Danke liebe Familie, das es euch gibt!